geboren in Kiel, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin.
"Julia Streetwalking", 2007, C-Print, Auflage 3+2AP, Format 100x150cm,
schutzbeschichtet und kaschiert auf Aluminium Dibond,
umlaufender Aufhängungsrahmen verso signiert und datiert
AUSSTELLUNGEN/MESSEN (Auswahl)
2006: LA COCOTTE (“Love Me Madly”), solo
2006: 3. Berliner Kunstsalon, agency yorckberlin
2006/7: NGBK Berlin ("Sexwork"), Katalog, group
2007:
Galerie Engler „Perspektiven“, Kurator W. Koppelman, group
2007: Galerie Fenz, Köln, solo
2007: Warehouse 9, Kopenhagen, solo
2007: Tease Art Fair, Köln, agency yorckberlin
2007: Jam Art Fair, Mallorca, agency yorckberlin
2007: Contemporary Art Ruhr, Zollverein Essen, agency yorckberlin
2007: Berliner Liste, Berlin, agency yorckberlin
2008: Atelier Popp & Rock, München, solo
2008: 5. Berliner Kunstsalon, agency yorckberlin
KURZ CV
Studium an den Universitäten Hamburg, Bochum und Essen.
In den 80er Jahren gehört J. Baier zu den Protagonisten der
unabhängigen Medienarbeit in der BRD.
Kunstprojekte, Dokumentar- und Kurzfilme, vorwiegend in Super8,
u.a. „DIE MISSION – FILM VOM FRIEDEN UND SEINEM KRIEG“
(UA Int. Forum d. Jungen Films/Berlinale 1983).
Es folgen Regie-Assistenzen bei Peter v. Zahn, Michael Lentz und Adolf Winkelmann.
Umzug nach Berlin 1993.
Dokumentarfilme und 2 Spielfilme (Buch und Regie) für das ZDF/Kleines Fernsehspiel,
„Die Splitter der Eisbombe“ und „Frühstück für Feinde“.
Seit 1997 ist J.Jackie Baier auch offiziell eine Frau.
Regie für Film und verschiedene TV-Serien („Gute Zeiten-Schlechte Zeiten“,
„Jeder für sich“, „Unter Uns“, „Marienhof“).
Seit 2000/2001 arbeitet J.J.Baier auch als Fotografin.
Fotografische Arbeiten ab 1997/98, die ersten fotografischen Arbeiten/Frühwerk
80er - und frühe 90er Jahre sind verbrannt.
Vorletztes Jahr, als das Geld knapp war, arbeitete ich in einer Animierbar.
Es war eine spezielle Bar, etwas abseits der „Roten Meile“ gelegen, in einer
dunklen Seitenstraße in einem gutbürgerlichen Stadtteil Berlins.
Hier arbeiteten Transsexuelle, die meisten von ihnen waren nicht operiert –
zumindest nicht zwischen den Beinen. Als Post-OP stellte ich eine Minderheit dar,
und ich war meinen Kolleginnen gegenüber auch eindeutig im Nachteil, denn die
meisten Männer, die das Etablissement besuchten, waren auf der Suche nach
– Männern, zumindest zwischen den Beinen.
Und da saßen wir nun, wir Hühner aus aller Herren Länder: jede einzelne in einen
lebenslangen Kampf um das Recht verstrickt, eine Frau zu sein, „eine Frau
aus freien Stücken und keines Mannes Untertan“ (Gore Vidal, Myra Breckinridge).
Und warteten auf Gäste, die lange Schwänze suchten …
Es fällt mir schwer, die Menschen, denen ich begegnet bin – mich eingeschlossen,
für die „real winners of the battle of the sexes“(Nan Goldin) zu halten.
„Revolutionaries“ vielleicht – Kämpferinnen sicherlich.
Wir könnten uns gar nicht erlauben, Ruhe zu geben.
Aber wir sind irgendwo zwischen den Kulturen und den
Geschlechtern hängengeblieben …
Und es ist ungewiß, wie es von hier aus weitergeht –
falls es überhaupt weitergeht.
J.Jackie Baier
Miriam auf der Bülowstraße, 2007, C-Print
Auflagen: 30x40cm 12+2AP / 70x105cm 8+2AP / 100x150cm 3+2AP.
Jeweils schutzbeschichtet und kaschiert auf Aluminium Dibond, umlaufender
Aufhängungsrahmen verso signiert und datiert.
MIRIAM
Das erste Mal sah ich Miriam in der Animierbar, in der ich eine Zeitlang arbeitete, um meine drohende Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Wir animierten auf Getränke und Sex, was immer der Gast wünschte. Wir waren ein Team, Kolleginnen – aber man ist nie nur „Kollegin“, wenn man eine Transe ist und Hure dazu und wenn man im Puff von Petra K. anschafft. Dreck verbindet. Hier traf ich die meisten der Frauen, die ich irgendwann anfing zu portraitieren.
Ich war allerdings bald schon wieder raus aus dem Geschäft. Die „Alte“ hielt mich für keine besonders gute Hure und sie hatte vermutlich auch recht damit, obwohl ich mir einige Tricks bei den anderen Mädchen abgeguckt hatte.
Inzwischen sind aber auch die meisten anderen draußen – zumindest aus Petras Bar. Pat ging für eine Weile ins Ausland, Tamara lernte Mr. Big kennen, Bianca startete kurzzeitig eine Karriere als Popstar, bevor sie eine Kneipe auf irgendeiner spanischen Insel übernahm. Den meisten aber blieb nur der direkte Weg auf die Straße. Auf der irgendwann sowieso alle landen.
Die Straße, auf der Miriam anschafft, ist eine vierspurige Durchgangsstraße. Ursprünglich als Prachtstraße konzipiert, verkam der Boulevard direkt nach seiner Anlage im 19. Jahrhundert zum Prostitutionsmarkt der unteren Klassen. Die Straßenecke, an der die Photographie entstand, kennzeichnet seit etwa Anfang der 1970er Jahre den Transenstrich.
Obwohl sie weiß, dass ihre geschäftlichen Chancen dadurch sinken würden, will Miriam sich irgendwann operieren lassen.
Die Zeit dafür wird allerdings knapp.
(J.Jackie Baier, im Mai 2008)

